Für jemanden, der eigentlich nicht gerne Pläne macht, ist Michel Malcin weit gekommen. Und damit sind nicht nur die gut 3.800 Kilometer gemeint, die er 2023 mit seinem blau-weißen „Doppellecker“-Buscafé nach Santiago de Compostela zurückgelegt hat.
Michel hat Abschied genommen von einem ganzen Leben als Pfarrer einer evangelisch freikirchlichen Gemeinde in Ibbenbüren und ist aufgebrochen. Er hat eine ziemlich abgefahrene Idee konsequent verfolgt und in die Tat umgesetzt, nämlich einen historischen Bus Baujahr 1959 zu einem Café umgebaut.
Er hat einen Business-Plan vorgelegt, Geldgeber von seiner Geschäfts- und Lebensidee überzeugt und gemeinsam mit seiner Weg- und Lebensgefährtin Helene Volkensfeld mit dem Buch „Abgefahren“ einen Kassenschlager geschrieben. Vor allem aber hat er eines getan: Er hat die Herzen von unzähligen Menschen angerührt und tut es noch immer.
Wie sich das anfühlt, das haben die Zuhörerinnen und Zuhörer am 24. und 25. Januar in der Buchhandlung Volk und im Cafébus „Doppellecker“, der vor der Buchhandlung geparkt hatte, eindrucksvoll zu spüren bekommen.
Denn wenn Michel Malcin auf seiner Lesereise zum Buch „Abgefahren“ auch sagt, dass er kein Seelsorger mehr sein kann, der Antworten auf die vielen Fragen des Lebens anbietet, sondern selbst lieber nur Fragen stellen möchte – so spricht sein Konzept doch Herz und Seele auf eine ganz eigene Art an.
Eine Frage richten er und Co-Autorin Helene Volkensfeld immer wieder eindringlich an ihre Zuhörer- und Leserschaft: „Was hast du vor mit deinem einzigartigen und wilden Leben?“
Für sich selbst hat Michel Malcin eine Antwort gefunden: glücklich sein, auf sich selbst achten und ein guter Gastgeber für andere sein. Der Weg zu dieser Erkenntnis war für ihn ganz bestimmt steinig und schmerzhaft.
Denn nach einer schweren Depression muss er nach 15-jähriger Tätigkeit als evangelisch-freikirchlicher Pfarrer erfahren, dass es so nicht weitergehen kann. In der Therapie ist es ausgerechnet das kleine Büchlein „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky, das zu einer neuen Lebensperspektive führt – nämlich zum Betrieb eines Cafébusses.
In ihrem Buch berichten Michel Malcin und Helene Volkensfeld ganz persönlich, unverstellt und unglaublich unterhaltsam, was sie auf ihrer großen Reise auf dem Jakobsweg so alles erleben.
Zum Beispiel, wie der elf Meter lange Cafébus Station am Deutschen Eck in Koblenz macht – wo am nächsten Tag eine Kundgebung mit Bundeskanzler Olaf Scholz und Ministerpräsidentin Malu Dreyer anberaumt ist.